Warum ein Wettbewerb zum Thema Heimat?

Soziokultur ist eine demokratische Kulturpraxis, die alle Menschen erreichen will. Ihre Angebote wurzeln im Alltag der Menschen, in ihren kreativen Bedürfnissen und Ausdrucksmöglichkeiten. Jeder Mensch kann sich kulturell ausdrücken, hat sein persönliches Verständnis von Kultur. Unsere Mitgliedsorganisationen folgen diesem Ansatz bei der Gestaltung ihrer Programme und ihrer Angebote zur Selbstorganisation der Menschen. Über 50 solcher Einrichtungen in ganz Sachsen sind in unserem Landesverband organisiert.

Unser Wille und unsere Aufgabe ist es, auch jungen Menschen Möglichkeiten der Mitarbeit zu bieten, sie aktiv in die Gestaltung ihrer und unserer Lebenswelt einzubeziehen. Nur wer sein Umfeld mitgestalten kann, sich an Wünschen, Träumen oder auch Problemen abarbeitet, kann die Gesellschaft als wertvoll erleben und Beiträge zur Zukunft unserer demokratischen Verfaßtheit leisten. Alle müssen Spuren hinterlassen, um auch die Spuren anderer als Wert erkennen zu können.

Heimat ist ein schwieriger Begriff, der sich geschichtlich erst mit der Ausprägung von Verlustgefühlen einbürgert. Die Literatur der Romantik bringt dies wohl am treffendsten zum Ausdruck. Heimat ist zunächst an Haus und Hof gebunden und wird später, vor allem im Zuge der Industrialisierung und der stärkeren Mobilität von Menschen, die traditionelle Lebensformen aufgeben müssen, zu einer Chiffre der Rückschau, der Besinnung, aber auch eines neuen Bewußtseins für Herkunft und Bestimmung.

Im Nationalsozialismus wird der Begriff mißbraucht und mit völkischem Gedankengut in Verbindung gebracht. Heimat wird gegen das Fremde ins Feld geführt und für eine als „rein“ imaginierte Gemeinschaft in Anspruch genommen und idyllisiert. Damit ist aber nicht die Heimat an sich passé.

In den letzten Jahren erlebte der Begriff eine Wiederentdeckung, die gewiß auch mit den Folgen von Globalisierung, Internationalisierung und Medialisierung zusammenhängt. Je stärker globale, aber auch virtuelle Einflüsse etwa aus dem Internet ausfallen, desto wichtiger wird der Blick auf den Wert und die Gestaltbarkeit des Lebens vor der eigenen Haustür. Junge Menschen brauchen Weltoffenheit, aber auch Herkunft. Beides macht sie zu toleranten, selbstbewußten und kreativen Mitgliedern unserer demokratischen Gesellschaft. Wir möchten zeigen, daß Heimat kein verstaubter Begriff, sondern ein wichtiger Bestandteil von Identität und Bewußtsein für die Leistungen und den Wert von regionaler Gemeinschaft ist.

Heimat ist keine zu besichtigende „statische“ Größe, sondern etwas Lebendiges, das jede/r mitgestalten muß. Dazu rufen wir auf!

Näheres kann man in unserem Konzept „Heimat (er-)finden!“ nachlesen, das die Grundlage für den Wettbewerb insgesamt, aber auch den jeweiligen Durchgang darstellt.

Infoservice

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