Warum ein Wettbewerb zum Thema Heimat?
Heimat war vor dem Zeitalter der Industrialisierung zunächst an Haus und Hof gebunden, wo die Menschen lebten, arbeiteten und wohnten. Erst durch die Industrialisierung und dem damit verbundenen Zwang zur Mobilität wurde "die Heimat" etwas was Menschen vor allem in der Rückschau erlebten, wonach sie sich sehnten und wodurch sie ihre Herkunft bestimmten. Heimat wurde zu einem Ort, an dem die Menschen, die für die Arbeit nun Haus und Hof verließen, heimkehrten, sich ausruhten und zurückzogen. Kurz gesagt: Heimat wurde zu einem Rückzugs- und Besinnungsort.
Im Nationalsozialismus wurde der Begriff mißbraucht und mit völkischem Gedankengut in Verbindung gebracht. Heimat wurde zu einem Begriff, der sich gegen "das Fremde" wehrt. Das nationalsozialistische Regime bestimmte was und wer zur Heimat gehört. Nur eine bestimmte Gruppe von Menschen hatte Anspruch auf eine heimatliche Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützt.
Kurz gesagt: Heimat wurde hier zu einem Begriff, der Menschen ausgrenzte.
In den letzten Jahren erlebte der Begriff eine Wiederentdeckung. Dies hängt gewiß auch mit den Folgen von Globalisierung, Internationalisierung und Medialisierung zusammen. Denn, je stärker globale, aber auch virtuelle Einflüsse etwa aus dem Internet ausfallen, desto wichtiger wird der Blick auf den Wert und die Gestaltbarkeit des Lebens vor der eigenen Haustür.
Junge Menschen brauchen Weltoffenheit, aber auch ein Bewußtsein für ihre Herkunft. Beides macht sie zu toleranten, selbstbewußten und kreativen Mitgliedern unserer demokratischen Gesellschaft.
Wir möchten zeigen, daß Heimat kein verstaubter Begriff ist, sondern ein wichtiger Bestandteil von Identität und Bewußtsein für die Leistungen und den Wert von regionaler Gemeinschaft.
Heimat ist etwas Lebendiges, das jede und jeder mitgestalten muß. Dazu rufen wir auf!
Näheres kann man in unserem Konzept „Heimat (er-)finden!“ nachlesen, das die Grundlage für den Wettbewerb insgesamt, aber auch den jeweiligen Durchgang darstellt. Derzeit findet Ihr noch das Konzept für den Durchgang 2009. Eine aktuelle Version für 2011 wird demnächst eingestellt.
Und was ist eigentlich Soziokultur?
Soziokultur ist eine demokratische Kulturpraxis, die alle Menschen erreichen will. Jeder Mensch kann sich kulturell ausdrücken und hat sein persönliches Verständnis von Kultur. Die Angebote Soziokultureller Einrchtungen setzen am Alltag der Menschen an und nehmen ihre kreativen Bedürfnisse und Ausdrucksmöglichkeiten ernst. Über 50 solcher Einrichtungen in ganz Sachsen sind in unserem Landesverband organisiert.
Unser Wille und unsere Aufgabe ist es, jungen Menschen Möglichkeiten der Mitarbeit zu bieten und sie aktiv in die Gestaltung ihrer und unserer Lebenswelt einzubeziehen. Nur wer sein Umfeld mitgestalten kann, sich mit Wünschen, Träumen oder auch Problemen befasst, kann Beiträge zur Zukunft unserer demokratischen Gesellschaft leisten. Alle Menschen müssen Spuren hinterlassen, um auch die Spuren anderer als Wert erkennen zu können.
© 2011 Landesverband Soziokultur Sachsen e. V. |
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